Turkmenistan

Land

Turkmenistan (Turkmenostan Respublikasy) ist der südlichste der fünf zentralasiatischen Staaten Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan.
Es grenzt im Westen als Anrainerstaat des Kaspischen Meeres an Aserbaidschan, im Norden an Kasachstan, im Nordosten sowie Osten an Usbekistan, im Südosten an Afghanistan sowie im Süden an Iran.
Die Fläche des Landes beträgt 488.100 km², womit es etwas kleiner als Spanien ist. Hauptstadt ist Ašchchabad (oder auch Aschgabad ) mit etwa einer halben Million Einwohnern im Süden des Landes.

Die Bevölkerung Turkmenistans – etwa 5,4 Mio. Einwohner – besteht zu Dreivierteln aus Turkmenen. Die übrige Bevölkerung bilden Russen, Usbeken, Kasachen, Tataren, Ukrainer sowie einige andere Völker. Etwa zwei Drittel der Turkmenen leben in ländlichen Siedlungen und Dörfern.

Turkmenistan
Turkmenistan und seine Nachbarländer

Das Gebiet Turkmenistans umfaßt den Südwesten des Tieflandes von Turan zwischen dem Kaspischen Meer und Amu-Darja. Das Land ist zu 85% von Sandwüsten (Karakum-Wüste) bedeckt und besitzt ein streng kontinentales, arides Klima; also sehr heiße und trockene Sommer sowie eher gemäßigte Winter. Landwirtschaft ist nur mittels künstlicher Bewässerung möglich.

Emblem Turkmenistans Das Emblem Turkmenistans besteht aus drei konzentrischen Kreisen, die durch weiße Streifen voneinander getrennt sind. Der äußere Streifen zeigt im oberen Bereich einen zunehmenden Mond mit fünf fünfzackigen Sternen. Im innersten, blauen Kreis ist ein Pferd zu sehen.

Turkmenen

Die Turkmenen sind ein Turkvolk in Vorder- und Mittelasien von etwa 5,4 Millionen Menschen. Der größte Teil (3,3 Mio.) lebt in Turkmenistan, ca. ein Drittel im Iran; hier vorwiegend im Norden. Weitere Turkmenen leben in Usbekistan, Russland und Tadschikistan. Außerdem leben Turkmenen in größerer Zahl in Nordafghanistan und in Irak.
Die Turkmenen sind fast ausschließlich sunnitische Muslime. Innerhalb der türkischen Völker gehören die Turkmenen zum Zweig der Ogusen.
Von allen zentralasiatischen Republiken stellt Turkmenistan das ethnisch homogenste Land dar. Bereits zu Sowjetzeiten war es weitgehend frei von inner-ethnischen Konflikten.

Die Turkmenen waren einst Vollnomaden, d.h. Hirten, und gingen im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts zum Teil zur Seßhaftigkeit über, meist mit halbnomadischen Wirtschaftsformen. Die Nomaden Turkmenistans betrieben und betreiben die Zucht von Schafen (Karakulschaf), Ziegen, Eseln, Pferden und Kamelen. Die turkmenische Gesellschaft ist traditionell eine Stammes- und Klangesellschaft. Die bedeutendsten Stämme sind die Teke, Ersari, Salor, Saryk und Yomud.
Ein Stamm (Khalk) war jeweils in Sippen (Tayfehs) unterteilt; diese wiederum in Zweige (Tirehs) und Großfamilien. Jedem Stamm stand ein Khan vor. Die alte Stammesgliederung hat auch in der UdSSR die Seßhaftwerdung überdauert. Die Einverleibung der Turkmenen in die sowjetische Nation hat das Stammesbewußtsein eher noch gestärkt und dazu geführt, daß ein Nationalbewußtsein entstand, obwohl die turkmenischen Stämme nie eine politische Einheit bildeten.

Bedeutend sind die turkmenischen Knüpfteppiche mit für jeden Stamm charakteristischen geometrischen Mustern – meist Abstraktionen von Tieren und Pflanzen. Typisches Kleidungsstück sind die meist schwarzen hohen Karakulschafmützen der Männer.
Ihre traditionelle Zeltform ist die Yurte – ein Rundhaus aus Filz über einem hölzernen Rahmen.

Sprache

Die turkmenische Sprache gehört zu dem südwestlichen Zweig (Oghus-Gruppe) der Turksprachen. Bis 1927 wurde das Turkmenische in arabischer Schrift, anschließend in lateinischer Schrift geschrieben. Vorbild war hier die Türkei. Ab 1940 wurde dann die kyrillische Schrift verbindlich, nachdem das turkmenische Gebeit unter sowjetische Herrschaft geriet.

1996 wurde Turkmenisch mit lateinischem Alphabet zur Amtssprache Turkmenistans erhoben. Anfang 2000 wurde die turkmenische Sprache durch Präsidialverordnung zur alleinigen Sprache – sowohl in mündlicher als auch schriftlicher Form – des öffentlichen Lebens erklärt. Russisch ist allerdings nach wie vor „lingua franca” des Landes.
Größere turkmenische Sprachgruppen existieren in den benachbarten Ländern Iran, Afghanistan sowie in Usbekistan. Seit den 1990er Jahren besitzen alle größeren Turksprachen den Status von National- bzw. Staatssprachen innerhalb der zentralasiatischen Länder Turkmenistan, Usbekistan, Kasachstan und Kirgisistan. Neben Turkmenistan waren diese Länder als Unionsrepubliken zuvor Teil der Sowjetunion.

Geschichte

Im 3. Jahrhundert v. Chr. entsteht das Reich der Parther auf dem Gebiet des heutigen Turkmenistans und Teilen des Iran. Hauptstadt ist Nisa. 224 v. Chr. fällt das Reich der Parther an das der Sassaniden. Später gehörte das Gebiet zum persischen Großreich der Achämeniden.

Im Jahr 642 n.Chr. erobern die Araber das Gebiet. Die Stadt Merw wird zu einem der Zentren der Region. Im 8. Jahrhundert dringen die türkischen Ogusen, die als die Vorfahren der heutigen Turkmenen gelten, ein. Sie werden im 10. Jahrhundert islamisiert. Seitdem etwa werden sie auch als Turkmenen bezeichnet. Im 11. Jahrhundert wird das seldschukische Reich mit Zentrum in Merw (Mary) gegründet. Zentren im 11. und 12. Jahrhundert sind Chiwa im Norden, im heutigen Usbekistan, sowie Merw im Süden. Die Stadt Merw wird zu einem Schnittpunkt der Handelsrouten zwischen Asien und dem Vorderen Orient.
Im 13. Jahrhundert (1221) fallen die Reiterhorden des Mongolen-Führers Dshingis-Khan ein. Sie erobern Chiwa und brennen Merw bis auf die Grundmauern ab. Mit dem Tod Dshinghis Khans im Jahr 1227 verlieren die Mongolen die Kontrolle über das Gebiet. 1370 erobert Tamerlan die Region und begründet das Timuridische Reich. Tamerlan stirbt 1405. Sein Reich zerfällt in einzelne Khanate (Fürstentümer).
Seit dem 16. Jahrhundert kommen die Turkmenen teilweise unter die Herrschaft der Khanate Buchara und Chiwa sowie teilweise unter persische Oberhoheit.

Zwischen 1864 und 1885 unterwerfen russische Truppen große Teile Zentralasiens – häuptsächlich die Khanate von Chiwa, Buchara und Kokand. Im Jahr 1868 wird das russische Generalgouvernement Turkestan mit Taschkent, der heutigen Hauptstadt Usbekistans, als Hauptstadt errichtet. 1869 gründen russische Truppen die Stadt Krasnovodsk, das heutige Turkmenbashi. 1881 stürmen russische Truppen die Festung Gök-Tepe nahe Ašchchabad und erobern ganz Turkmenien; 1884 wird Merw erobert. Das Gebiet wird mittels der Eisenbahn erschlossen; eine koloniale Beamtenschaft wird aufgebaut; eine bäuerliche Besiedlung, wie sonst in Russland überall vorzufinden, läßt sich so gut wie gar nicht etablieren. Die klassische turkmenische Clan- und Stammesgesellschaft dagegen bleibt bestehen.
Im Jahr 1916 findet ein Aufstand mehrerer zentralasiatische Völker gegen die russische Kolonialverwaltung statt, an dem sich auch die Turkmenen beteiligen. Diese Aufstände, die als Basmatschen-Unruhen bekannt werden, dauern bis in die frühen dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts an. Die Khanate Chiwa und Buchara werden von den Russen annektiert. Im Juli 1919 erobert die Rote Armee Ašchchabad und im Februar des folgenden Jahres Krasnovodsk.

1922 entsteht die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR). Teile Zentralasiens, zu denen auch das heutige Turkmenistan gehört, werden als Autonome Sozialistische Republik Turkestan (ASRT) Teil der UdSSR. 1924 geht die Turkmenische Sozialistische Sowjetrepublik (TSSR) durch Teilung der Autonomen Sozialistischen Republik Turkestans hervor. Hauptstadt wird Aschgabad. Insgesamt wird zwischen 1924 und 1929 das russisch annektierte zentralasiatische Gebiet nach ethnischen Kriterien neu aufgeteilt. Es kommt zur Gründung der fünf zentralasiatischen Republiken: Es entstehen die Kasachische, die Kirgisische, die Usbekische, die Tadschikische sowie die Turkmenische Republik.
In den folgenden Jahren kommt es auch in der turkmenischen Republik zu stalinistischen Brutalitäten und Exekutionen vieler Tausender turkmenischer Kommunisten. Die nomadischen Turkmenen werden seit 1920 in der UdSSR, in den 30er Jahren auch in Iran zwangsangesiedelt. Die Landwirtschaft wird (1928-1932) wie überall in der Sowjetunion kollektiviert. Unter der Herrschaft der Sowjets ändert sich die traditionelle Gesellschaftsstruktur nun radikal. Beispielsweise werden der Brautkauf sowie das Tragen des Schleiers verboten; es kommt zur Gründung von Bildungseinrichtungen für Frauen.
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs bleiben die meisten Turkmenen bäuerliche Nomaden. Trotz des Zuzugs von Industriearbeitern bleibt Turkmenistan eine der isoliertesten Republiken der Sowjetunion. Viele Gebiete sind für Besucher verboten. Die heutige Hauptstadt Ašchchabad wird am 6. Oktober 1948 durch ein sehr starkes Erdbeben fast vollständig zerstört. Etwa 110.000 Menschen sterben.
1954 wird mit dem Bau des etwa 1.400 Kilometer langen Karakumkanals begonnen. Im Osten am Fluß Amu Darja beginnend erstreckt er sich bis zur Hafenstadt Krasnovodsk (Turkmenbaschi) am Kaspischen Meer.

Der Staat Turkmenistan:
Turkmenistan (Turkmenien) war bis zu seiner Unabhängigkeit im Jahre 1991 eine der fünfzehn Unionsrepubliken (Turkmenische Sozialistische Sowjetrepublik, gebildet am 27.10.1924) der Sowjetunion. Unter allen Republiken war es die ärmste.
Mit dem Zerfall der Sowjetunion erklärte sich auch die Turkmenische Republik am 22. Oktober 1990 als letzte Republik für souverän. Ein Jahr später, am 27. Oktober 1991, erfolgte dann in einem Referendum der Bevölkerung die Unabhängigkeitserklärung der Republik. Der 27. Oktober wird seitdem als Nationalfeiertag begangen.
Im Dezember 1991 bildet Turkmenistan eine der elf ehemaligen Republiken der Sowjetunion, die sich zur GUS, der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, zusammenschließen. Im März 1992 wird Turkmenistan Mitglied der UN. Im Mai 1992 wird eine neue Verfassung angenommen. Das in fünf Verwaltungsbezirke aufgeteilte Land wird zu einer Präsidialrepublik erklärt. Im Juni finden die ersten Präsidentschaftswahlen statt; am 1. November 1993 wird eine eigene Landeswährung, der Turkmenische Manat, eingeführt. Im Dezember 1995 erkennt die UN-Versammlung Turkmenistan den Status eines neutralen Landes an.

Die Staatsflagge Turkmenistans besitzt auf grünem Grund am linken Rand einen senkrechten, roten Streifen. Der Streifen zeigt untereinander fünf klassische turkmenische Teppichmuster (Göls) sowie am unteren Rand zwei gekreuzte Olivenzweige.
Rechts neben dem Streifen, im oberen linken Bereich, ist wie im Staatswappen der aufgehende Mond mit den fünf weißen fünfzackigen Sternen zu sehen.
Jeder Stern symbolisiert dabei eine der fünf Regionen (velyaty) Turkmenistans: Ahal, Balkan, Dasoguz, Lebap und Mary.
Die Flagge Turkmenistans
Die Flagge Turkmenistans